Die Orgel im Betchor hinter dem Hochaltar der Franziskanerkirche wurde 1642 durch den Wiener Orgelbauer Johann Wöckherl (um 1594 - 1660) errichtet. Der am 21. Juli 1641 dafür geschlossene Bauvertrag ist noch heute vorhanden; sie ist damit die älteste erhaltene Kirchenorgel Wiens und ein „Kleinod der Orgelbaukunst".

Die Wöckherl-Orgel besitzt 20 Register auf zwei Manualen und Pedal in zeittypischer mitteltöniger Stimmung mit Subsemitonien (geteilte Obertasten) im Brustwerk. Die Pfeifen des Principal 8‘ stehen zur Gänze im Prospekt. Die besondere Qualität des Instruments wird durch die hohe künstlerische Ausführung des Gehäuses, das mit reichem ornamentalen Schnitzwerk verziert ist, noch verstärkt. Durch die figural bemalten Flügeltüren kann, den liturgischen und musikalischen Bedürfnissen entsprechend, die Orgel im geöffneten wie auch im geschlossenen Zustand gespielt werden und stellt somit auch in dieser Hinsicht ein Unikat in der Wiener Orgellandschaft dar. Das Gehäuse der Orgel dürfte ursprünglich den 1611 errichteten Hochaltar überragt haben. Erst 1707, als Andrea Pozzo den hochbarocken Baldachin-Altar mit gemalten Kulissen errichtete, wurde das Werk verdeckt. Für die Ausführung der barocken Kirchenmusik stand auf der Westempore ein Continuo-Instrument zur Verfügung.

Die besondere Bedeutung der Wöckherl-Orgel für die Aufführungspraxis der Musik aus dem 17. Jahrhundert wurde bereits in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem durch das Wirken von Prof. Josef Mertin (1904-1998) erkannt. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass die Orgel nicht den Modeströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zufolge wesentlich verändert worden ist und von 1943 bis 1947 zum Schutz vor Kriegseinwirkungen nach Klein Mariazell ausgelagert wurde. Bis auf einen größeren Eingriff im 18. Jahrhundert und die letzten Arbeiten nach dem Wiederaufbau von 1951 (mit einigen Veränderungen an der Substanz) ist ein hoher Originalbestand des Instruments erhalten geblieben. Mit der jetzigen Restaurierung durch die Schweizer Orgelbaufirma Kuhn erfolgte eine kompromisslose Rückführung auf den Zustand von 1642. Die Richtlinien für diese Arbeiten wurden beim „Internationalen Symposium zur Restaurierung der Wöckherl-Orgel" des Institutes für Orgel, Orgelforschung und Kirchenmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien vom 22. bis 24. Juni 2007 festgelegt. Das Restaurierungsvolumen hat sich allerdings im Zuge der Arbeiten wesentlich erweitert (Fassung des Orgelgehäuses, Freilegung der Fresken im Betchor etc.).

Hofrat Friedrich Lessky

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Kulturbericht 2008 des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, S. 148, mehr ...